Milow drückte die Nase ans kühle Glas und quietschte vor Freude. Da schwamm er: sein ganz eigener Goldfisch, orange wie eine kleine Sonne, mit Flossen, die im Wasser flatterten wie Fähnchen.
„Wie soll er heißen?“, fragte Papa und stellte das Fischglas vorsichtig auf Milows Kommode.
Milow überlegte nur eine Sekunde. „Flossi! Weil seine Flossen so wild wackeln.“
Die Verkäuferin im Zoo-Laden hatte extra für ihn ein Zettelchen mitgegeben: Füttern nur einmal am Tag, eine Prise reicht. Und manchmal versteckt er sich ganz still hinter der Pflanze – das ist okay, dann ruht er sich nur aus.
Milow steckte den Zettel stolz unter sein Kopfkissen. Ab jetzt war er der Fisch-Chef.
Jeden Morgen streute er eine Prise Futter ins Wasser und sah zu, wie Flossi danach schnappte. Blubb, blubb, machten die kleinen Bläschen. Milow kicherte jedes Mal.
Doch an einem Nachmittag, als er mit seinem Freund Ben im Garten Fangen spielte, vergaß Milow das Füttern völlig. Erst als Mama ihn zum Abendessen rief, fiel es ihm siedend heiß ein.
Er rannte die Treppe hoch, so schnell seine Beine trugen. Und dann blieb er wie angewurzelt stehen. Flossi lag ganz still zwischen den Steinen. Keine Flosse wackelte. Kein Bläschen stieg auf.
„Flossi?“, flüsterte Milow. Sein Herz klopfte bis zum Hals. Hatte er seinen Fisch vergessen – und jetzt war er krank?
Am liebsten hätte er die ganze Futterdose ins Glas gekippt, damit alles wieder gut wird. Seine Hand zitterte schon über der Dose. Doch dann fiel ihm der Zettel unter dem Kissen ein. Zu viel Futter macht Fische krank. Ganz ruhig bleiben und beobachten.
Milow atmete tief durch. Er stellte die Dose zurück und setzte sich ganz nah ans Glas, die Nase fast am kühlen Rand. Er wartete. Eins, zwei, drei Sekunden.
Da – ein winziges Zucken! Flossis Schwanz wedelte, erst langsam, dann schwang er sich fröhlich zwischen den Steinen hervor, direkt zur Wasseroberfläche.
„Er hat nur geschlafen!“, rief Milow und lachte so laut, dass Papa ins Zimmer kam.
„Er hat sich nur ausgeruht, wie die Verkäuferin gesagt hat“, erklärte Milow stolz. „Und ich hab nicht einfach Futter reingekippt, obwohl ich total Angst hatte.“
Papa strich ihm über die Haare. „Das war eine kluge Entscheidung, mein Schatz. Du bist wirklich ein guter Fisch-Chef.“
Milow streute noch eine kleine Prise Futter ins Wasser und beobachtete, wie Flossi glücklich hindurchschwamm. Bevor er ins Bett kroch, tippte er sanft ans Glas.
„Gute Nacht, Flossi. Morgen füttere ich dich als Erstes, versprochen.“
Das Nachtlicht warf einen goldenen Schimmer auf das Wasser, und Milow kuschelte sich zufrieden in seine Decke. Er hatte seine erste große Aufgabe gemeistert – und war mächtig stolz darauf.
Zum Weitererzählen
Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.
Hast du verstanden, was passiert ist?
- Was hat Milow gemacht, als er Flossi ganz still liegen sah?
- Woran hat sich Milow erinnert, bevor er die Futterdose öffnete?
- Warum lag Flossi so still zwischen den Steinen?
Kennst du das aus deinem Leben?
- Hast du auch schon mal etwas vergessen, was dir wichtig war?
- Wie fühlt es sich an, wenn man sich um ein Tier kümmert?
- Was würdest du tun, wenn du dir Sorgen um dein Haustier machst?
Was wäre, wenn …?
- Was könnte Milow noch alles mit Flossi erleben?
- Stell dir vor, Flossi könnte sprechen – was würde er zu Milow sagen?




