Die Sonne schien warm auf das große Erdbeerfeld. Reihe um Reihe leuchteten die roten Früchte zwischen den grünen Blättern hervor.
„So, mein Schatz“, sagte Oma und drückte Joni ein kleines Körbchen in die Hand. „Wir pflücken so viele, dass wir morgen Marmelade kochen können. Nur die roten, ja?“
„Klar!“, rief Joni und stürmte los. Sie kniete sich zwischen die Pflanzen. Die erste Erdbeere war dick und glänzend und roch so süß, dass Joni das Wasser im Mund zusammenlief.
Eine probier ich nur, dachte sie und steckte sie in den Mund. Mmmh. Der Saft war warm von der Sonne und schmeckte nach Sommer.
Die nächste war noch größer. Die musste sie auch probieren. Und die danach hatte so eine lustige Herzform — die natürlich ebenfalls.
Bienen summten faul über die Blüten. Joni wanderte tiefer ins Feld, immer der nächsten dicken Erdbeere nach.
„Joni?“, rief Oma irgendwo hinter den Blättern. „Wie voll ist dein Körbchen?“
Joni schaute hinunter. Ihr Körbchen war … leer. Vollkommen leer. Sie hatte alle Erdbeeren gleich aufgegessen!
Ihre Wangen wurden fast so rot wie die Früchte. „Äh“, machte sie.
Oma kam um die Reihe gebogen, ihr eigener Korb randvoll. Sie schaute in Jonis leeres Körbchen, dann auf Jonis knallroten Mund — und fing an zu lachen, dass ihr Hut wackelte.
„Oh je“, kicherte Oma. „Da hat wohl jemand schon ganz schön genascht.“
Joni musste auch lachen. „Sie waren einfach so lecker!“
„Weißt du was“, sagte Oma und setzte sich neben sie ins Gras. „Wir machen es zusammen. Eine fürs Körbchen — und eine für den Bauch. Immer abwechselnd.“
Und so ging es viel besser. Eine in den Korb, plopp. Eine in den Mund, mmmh. Eine in den Korb, eine in den Mund. Joni passte gut auf, dass die allergrößte, herzförmige ins Körbchen wanderte. „Die ist für Opa“, sagte sie ernst.
Als sie aufstanden, war Jonis Körbchen tatsächlich voll. Ihre Finger waren rot und klebrig, und auf ihrer Nase saß ein Klecks Erdbeersaft.
Zu Hause roch die ganze Küche nach warmer Marmelade. Opa bekam die herzförmige Erdbeere und tat so, als wäre sie der größte Schatz der Welt.
Am Abend, im Bett, leckte Joni sich noch einmal über die Lippen. Sie schmeckte immer noch ein kleines bisschen nach Sommer. Morgen früh, dachte sie, würde es Marmeladenbrote geben. Und dann schlief sie ein, mit einem roten Lächeln im Gesicht.
Zum Weitererzählen
Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.
Hast du verstanden, was passiert ist?
- Was hat Joni am Anfang mit den Erdbeeren gemacht?
- Warum war Jonis Körbchen leer, als Oma fragte?
- Welchen Trick hat Oma sich ausgedacht, damit es besser klappt?
Kennst du das aus deinem Leben?
- Hast du auch schon mal etwas Leckeres probiert, das du sammeln solltest?
- Was schmeckt für dich besonders nach Sommer?
- Wem würdest du die allerschönste Erdbeere schenken?
Was wäre, wenn …?
- Was hätte Joni machen können, wenn Oma böse geworden wäre?
- Welche Marmelade würdest du mit Oma kochen wollen?




