Der kleine Maulwurf Molle hatte einen großen Wunsch: Er wollte einmal die Sterne sehen. Aber tief unten in seinem gemütlichen Erdtunnel war es immer dunkel.
Oft hörte er die anderen Tiere davon schwärmen. „Tausend kleine Lichter am Himmel“, hatte die Eule gesagt. Molle hatte noch nie welche gesehen — nicht ein einziges.
„Pip“, sagte er eines Abends zu seiner Freundin, der Maus. „Ich möchte die Sterne sehen. Nur ein einziges Mal.“
„Dann komm mit nach oben“, piepste Pip. „Heute Nacht ist der Himmel ganz klar.“
Molle zögerte. Oben war alles so weit und offen. Hier unten fühlte er sich sicher. Aber die Neugier war größer als die Angst.
„Ich komme mit“, sagte er und grub sich entschlossen nach oben, der frischen Luft entgegen.
Als Molle aus dem Erdloch kletterte, schlug ihm kühle Nachtluft entgegen. Das Gras war feucht und kitzelte an seiner Nase. Irgendwo zirpten Grillen, und es roch nach Klee und Sommer.
„Da oben!“, piepste Pip aufgeregt. „Schau, die Sterne!“
Molle blinzelte. Er kniff die Augen zusammen. Er gab sich solche Mühe. Aber so sehr er auch schaute — der Himmel blieb für ihn nur ein verschwommenes, dunkles Tuch. Maulwurfaugen sind eben sehr klein.
Molles Schnurrhaare hingen traurig herunter. „Ich kann sie nicht sehen“, flüsterte er. „Sie sind zu klein und zu weit weg.“
Pip wurde ganz still. Doch dann stupste sie Molle sanft an. „Aber Molle — riechst du das? Und hörst du die Grillen? Und fühlst du den Wind in deinem Fell?“
Molle hielt inne. Er roch den süßen Klee. Er hörte das Zirpen, das Rascheln, das leise Summen der Nacht. Er fühlte die kühle Brise, die durch sein weiches Fell strich. Die Nacht war voller Dinge — er hatte sie nur anders gespürt als Pip.
Und dann hob Molle den Kopf — und da war doch etwas. Ein großes, rundes, sanftes Licht, so hell, dass sogar er es sehen konnte. Der Mond.
„Pip“, hauchte Molle. „Den da sehe ich! Ganz deutlich!“
„Das ist der Mond“, lachte Pip. „Der größte Stern von allen.“
Molle strahlte. „Dann ist der Mond mein Stern“, sagte er. Und er fand, dass es der allerschönste von allen war.
Lange saßen die beiden im Gras, der Maulwurf und die Maus, und genossen die Nacht — jeder auf seine eigene Weise.
Später kuschelte sich Molle wieder tief in seinen warmen Tunnel. Den Mond konnte er jetzt nicht mehr sehen. Aber er wusste: Da oben war er, rund und hell, und leuchtete über der ganzen Wiese. Mit diesem Gedanken schlief Molle ein, so glücklich wie selten.
Zum Weitererzählen
Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.
Hast du verstanden, was passiert ist?
- Warum wollte Molle unbedingt nach oben an die Oberfläche?
- Was konnte Molle alles spüren, als er oben im Gras saß?
- Welches Licht am Himmel konnte Molle am Ende sehen?
Kennst du das aus deinem Leben?
- Hast du schon mal etwas versucht, obwohl du ein bisschen Angst hattest?
- Was kannst du besonders gut riechen, hören oder fühlen?
- Erinnerst du dich an einen Moment, in dem du dich richtig glücklich gefühlt hast?
Was wäre, wenn …?
- Was würde Molle wohl als Nächstes entdecken wollen?
- Welche anderen Tiere könnten Molle und Pip in der Nacht noch treffen?




