Bei Nuri war alles aufregend. Den ganzen Nachmittag hatten Mads und Nuri eine riesige Kissenburg gebaut und Pfannkuchen mit viel zu viel Sirup gegessen.
Es war Mads‘ allererste Übernachtung bei einem Freund. Er hatte sogar seinen eigenen Schlafsack mitgebracht, einen mit Sternen darauf.
Doch als Nuris Mama das Licht ausmachte und „Gute Nacht, ihr zwei“ sagte, wurde es im Zimmer ganz dunkel und ganz still.
Mads lag in dem fremden Zimmer und lauschte. Die Geräusche waren alle anders. Die Heizung gluckerte anders. Sogar die Dunkelheit fühlte sich anders an.
Plötzlich wurde sein Hals ganz eng. Zu Hause ließ Mama immer das kleine Nachtlicht an. Zu Hause roch sein Kissen nach Zuhause. Ich will zu Mama, dachte Mads, und seine Augen wurden feucht.
„Mads?“, flüsterte Nuri aus dem anderen Bett. „Bist du noch wach?“
Mads schniefte leise. „Ich glaub“, flüsterte er zurück, „ich hab ein bisschen Heimweh.“
Es war ganz still. Mads dachte schon, er hätte etwas Falsches gesagt. Aber dann raschelte es, und Nuri kletterte zu ihm herüber.
„Weißt du was“, flüsterte Nuri, „als ich das erste Mal woanders geschlafen hab, ging es mir genauso. Warte.“ Er kramte unter seinem Bett und holte eine kleine Taschenlampe hervor, die wie ein Mond leuchtete.
Er knipste sie an. Ein weiches, gelbes Licht füllte die Kissenburg. Auf einmal war die Dunkelheit gar nicht mehr so groß.
„Sollen wir deine Mama anrufen?“, fragte Nuri. „Meine Mama sagt, das darf man immer.“
Mads überlegte. Dann schüttelte er den Kopf. „Vielleicht“, sagte er langsam, „probier ich es erst mal so. Mit dem Mondlicht.“
Sie krochen beide tief in die Kissenburg, das Mondlämpchen zwischen sich. Sie flüsterten und kicherten über den riesigen Sirup-Pfannkuchen-Berg vom Nachmittag.
Und während sie flüsterten, merkte Mads, wie das enge Gefühl im Hals langsam kleiner wurde. Immer kleiner. Bis es ganz verschwunden war.
„Danke, Nuri“, murmelte Mads schon ganz verschlafen.
„Schlaf gut, Mads“, gähnte Nuri.
Das kleine Mondlicht leuchtete sanft über den beiden, als sie nebeneinander einschliefen. Und am nächsten Morgen, beim Frühstück, konnte Mads es kaum erwarten, Mama zu erzählen, dass er die ganze Nacht durchgeschlafen hatte. Ganz allein. Bei seinem Freund.
Zum Weitererzählen
Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.
Hast du verstanden, was passiert ist?
- Was hat Mads anders gefunden, als das Licht ausging?
- Was hat Nuri gemacht, als Mads gesagt hat, dass er Heimweh hat?
- Wie hat sich Mads gefühlt, als das Mondlicht an war?
Kennst du das aus deinem Leben?
- Hast du schon mal woanders übernachtet? Was war da anders als zuhause?
- Was hilft dir, wenn du dich an einem fremden Ort unwohl fühlst?
- Wann hast du dich mal mutig gefühlt, obwohl du erst unsicher warst?
Was wäre, wenn …?
- Was hätte Mads wohl zu seiner Mama am Telefon gesagt?
- Was machen Mads und Nuri wohl beim nächsten Mal zusammen?




