Romy saß ganz still auf dem großen Stuhl im Wartezimmer und hielt ihren Stoffhasen fest. Ihr Bauch fühlte sich an wie ein Knäuel aus Wolle.
Es roch nach Pfefferminz. Neben ihr zappelte ihr kleiner Bruder Levi. „Ich will nicht“, flüsterte er und versteckte sein Gesicht an Mamas Arm.
„Wir zählen heute nur eure Zähne“, sagte Mama leise und strich ihm über den Kopf. „Mehr machen wir nicht.“
Hinter der Tür mit der lustigen Sonne machte es leise iiii und dann wieder still. Romy schaute hin. Was das wohl war?
Dann ging die Tür auf. Eine Frau mit runder Brille und einem warmen Lächeln kam heraus. „Hallo, ihr beiden. Ich bin Doktor Marit. Wer von euch ist der Mutige zuerst?“
Levi rutschte noch tiefer an Mamas Arm. Romys Herz klopfte bis zum Hals. Sie schaute ihren kleinen Bruder an. Wenn keiner geht, hat Levi für immer Angst.
„Ich“, sagte Romy und stand auf. Ihre Knie wackelten ein bisschen. „Ich geh zuerst. Dann siehst du, Levi, dass das geht.“
Der Stuhl war riesig und weich wie ein Sofa. „Festhalten“, sagte Doktor Marit. „Jetzt fahren wir Aufzug.“ Sie drückte einen Knopf, und der Stuhl summte langsam nach oben. Romy kicherte überrascht.
„Darf ich auch mal drücken?“, fragte Romy. „Na klar. Du bist die Pilotin.“ Romy drückte den Knopf. Der Stuhl wippte hoch und runter, und es kribbelte im Bauch — aber diesmal schön.
Sie bekam eine kleine Sonnenbrille gegen das helle Licht. Doktor Marit nahm einen winzigen Spiegel an einem Stiel. „Und jetzt den Mund auf wie ein Löwe.“ Romy machte „Aaah“.
„Oh“, sagte die Ärztin. „Da hinten wohnt ein ganz besonders weißer Zahn. Den zähl ich extra.“ Es kitzelte ein bisschen. Ein kleiner Sauger machte schlürf und trank das Wasser weg. Romy musste lachen.
Als sie fertig war, schaute sie zur Tür. Levi stand auf einmal direkt neben dem Stuhl. „Bin ich jetzt dran?“, fragte er. „Ich will auch Pilot sein.“
Er kletterte ganz allein hinauf. Und als Doktor Marit seine Zähne gezählt hatte, wollte er gar nicht mehr aus dem Stuhl heraus. „Noch mal Aufzug!“, rief er, und alle mussten lachen.
Zum Schluss bekamen beide einen Aufkleber mit einem lachenden Zahn darauf.
Zu Hause klebte Romy ihren Aufkleber an den Spiegel im Bad. Am Abend putzte sie ihrem Stoffhasen ganz vorsichtig die Zähne. „Mund auf wie ein Löwe“, flüsterte sie.
Dann kuschelte sie sich tief unter die warme Decke. Morgen würde sie Levi zeigen, wie man richtig Aufzug fährt. Aber jetzt zählte sie nur noch Sterne, bis ihre Augen ganz schwer wurden.
Zum Weitererzählen
Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.
Hast du verstanden, was passiert ist?
- Warum ist Romy zuerst zur Zahnärztin gegangen?
- Was hat Doktor Marit im Mund von Romy gemacht?
- Wie hat sich Levi am Anfang gefühlt und wie am Ende?
Kennst du das aus deinem Leben?
- Warst du schon mal beim Zahnarzt? Was hat dir dort gefallen?
- Wann hattest du mal ein Knäuel im Bauch wie Romy?
- Hast du schon mal jemandem geholfen, weniger Angst zu haben?
Was wäre, wenn …?
- Was könnte Romy morgen mit Levi spielen?
- Stell dir vor, der Zahnarzt-Stuhl könnte auch fliegen. Wohin würdest du damit reisen?




