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Papa, Lou und Mia backen heimlich einen Muttertagskuchen, Mama lugt durch die Tür

GESCHICHTE

Der heimliche Muttertagskuchen

Gute Nacht GeschichtenGute Nacht Geschichten für 4-6 Jahre
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„Pssst“, machte Papa und legte den Finger auf den Mund. „Mama schläft noch.“

Lou und Mia nickten beide. Lou wackelte mit dem Kopf so doll, dass sein Schlafanzug raschelte.

„Pssst“, flüsterte er sich selbst zu.

Es war Samstag, halb sieben morgens. Draußen war es noch grau. In der Küche standen Papa, Lou (sechs) und Mia (vier) im Schlafanzug. Auf dem Tisch lag das Backbuch von Oma. Daneben: Mehl, Zucker, Butter, vier Eier, Vanille und eine Tafel Schokolade, die Mia heimlich aus dem Adventskalender gerettet hatte. Im Februar.

„Plan“, flüsterte Papa. „Wir backen den Kuchen. Er muss morgen früh fertig sein. Wir machen alles SEHR LEISE. Ja?“

„Ja!“, flüsterte Mia.

„JA!“, sagte Lou normal laut.

„Lou. Pssst.“

„Ja“, flüsterte Lou.

Papa schlug das Buch auf bei *Schoko-Vanille-Kuchen*. Er las leise vor. Lou stellte die Schüssel auf den Tisch, mit beiden Händen, ganz vorsichtig. Mia bekam das Sieb.

„Du machst das Mehl. Aber nicht zu wild.“

Mia nickte. Sie nahm den Mehl-Beutel. Sie kippte. Etwas zu viel. Eine kleine Wolke flog hoch.

„Nicht puh atmen!“, flüsterte Papa.

Mia atmete genau in dem Moment puh.

Es schneite.

Mehl auf dem Tisch. Mehl auf Mia. Mehl auf Lou. Mehl in Papas Bart.

Lou lachte mit zugehaltenem Mund. Er machte komische Geräusche durch die Nase.

„Lou“, flüsterte Papa und versuchte ernst zu schauen, was schwer war mit Mehl im Bart.

„Es ist so weiß“, flüsterte Lou.

„Wir machen weiter. Vorsichtig.“

Sie machten weiter. Lou rührte. Mia gab Eier dazu. Eines fiel hinein, mit Schale. Papa fischte die Schale wieder raus. Es plätscherte ganz leise. Lou zerbrach die Schokolade. Es krachte ganz, ganz, ganz leise.

Sie schoben die Backform in den Ofen. Papa drehte den Knopf. Der Ofen brummte. Auf der Uhr stand: *45 Minuten.*

„Jetzt warten wir“, flüsterte Papa.

„Können wir nicht backen UND warten?“, flüsterte Mia.

„Wir warten. Beim Warten sind wir leise. Wir putzen.“

Sie putzten. Lou wischte Mehl vom Tisch, mit der ganzen Hand. Mia wischte Mehl vom Stuhl, mit dem Schlafanzug-Ärmel. Papa wischte Mehl aus dem Bart, mit einem Geschirrtuch.

Nach einer Weile fing der Kuchen an zu duften. Erst wenig. Dann mehr. Süß, schokoladig, ein bisschen Vanille, ein bisschen Butter.

Mia rümpfte die Nase. „Papa.“

„Was?“

„Mama riecht.“

„Mama riecht nicht.“

„Doch. Sie riecht den Kuchen.“

In dem Moment hörten sie die Treppe knarren. Knack. Knack. Knack. Papa erstarrte. Lou erstarrte. Mia erstarrte. Sie waren alle drei wie Statuen aus Mehl.

Mama kam in die Küche. Sie hatte zerwühlte Haare und einen Bademantel. Sie schaute den Tisch an. Sie schaute den Boden an. Sie schaute Papa an, dann Lou, dann Mia, dann den Ofen.

Sie öffnete den Mund.

Sie schloss ihn wieder.

Dann sagte sie ganz langsam: „Ich rieche überhaupt nichts. Ich gehe wieder schlafen.“

Sie drehte sich um. Sie ging zurück die Treppe hoch. Knack. Knack. Knack.

Mia, Lou und Papa schauten sich an. Lou hielt sich beide Hände vor den Mund. Mias Augen waren so groß wie Eierschalen.

„Hat sie’s gemerkt?“, flüsterte Mia.

„Ich glaube schon“, flüsterte Papa.

„Dann ist es nicht mehr heimlich.“

Papa dachte nach. Er kratzte sich am Mehl-Bart.

„Dann backen wir den Kuchen einen Tag früher als geplant fertig“, flüsterte er. „Und morgen früh, am Muttertag, machen wir ETWAS NEUES. Was, wo Mama wirklich noch nichts weiß. Ein zweites Geheimnis. Hintenrum.“

„Was?“, flüsterte Lou.

Papa beugte sich tief runter und flüsterte etwas in beide Ohren. Mias Augen wurden noch größer. Lou nickte ganz, ganz langsam.

Am nächsten Morgen, am echten Muttertag, wurde Mama mit Frühstück im Bett geweckt. Auf dem Tablett stand: ein Stück Schoko-Vanille-Kuchen vom Vortag. Daneben lag etwas anderes. Etwas, das wirklich ein Geheimnis war.

Aber das ist eine andere Geschichte.

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Agnes Taron

von Agnes Taron

Mutter von Leonardo & Lynn, Mitgründerin von kinderschatzkiste.de. Nach fünf Jahren Elternzeit mit täglichem Vorlese-Alltag weiß sie, was Kinder abends wirklich brauchen.