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Til steht nachts mit Papa am Fenster und beobachtet beruhigt das Gewitter draußen

GESCHICHTE

Til und das große Gewitter

Gute Nacht GeschichtenGute Nacht Geschichten für 4-6 Jahre
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Ein lautes Grollen rollte über das ganze Haus. Til zog sich die Decke bis zur Nasenspitze und machte sich ganz klein.

Draußen blitzte es. Für einen Moment war das ganze Zimmer hell wie am Tag. Dann wurde es wieder dunkel, und der Regen trommelte gegen die Scheibe.

„Papa“, flüsterte Til. Dann lauter: „Paaapa!“

Die Tür ging auf, und Papa kam herein, ganz ruhig, mit zerzausten Haaren. „Na, du. Hat dich der Donner geweckt?“

Til nickte unter der Decke. „Er ist so laut. Ich glaub, er ist böse.“

Papa setzte sich auf die Bettkante. „Weißt du, was das in Wirklichkeit ist?“ Er machte ein geheimnisvolles Gesicht. „Die Wolken da oben rücken ihre schweren Möbel hin und her. Und manchmal kippt ein dicker Schrank um. RUMMS.“

Til musste fast ein bisschen lachen. „Wolken haben doch keine Möbel.“

„Dann komm“, sagte Papa und streckte die Hand aus. „Ich zeig dir einen Trick. Aber dafür müssen wir ans Fenster.“

Til schaute zur Decke. Dann zu Papas Hand. Sein Herz klopfte schnell. Langsam schob er ein Bein aus dem Bett, dann das andere.

Am Fenster war die Scheibe kühl an Tils Stirn. Draußen tanzten die Bäume im Wind.

„Pass auf“, sagte Papa. „Wenn es blitzt, fangen wir an zu zählen. Beim Donner hören wir auf. So merken wir, wie weit weg das Gewitter ist.“

Es blitzte. „Eins … zwei … drei …“ — RUMMS. „Drei“, sagte Papa. „Drei Kilometer weit weg. Das ist weiter als der Spielplatz.“

Til zählte mit. Beim nächsten Mal kam er schon bis fünf. Dann bis sieben. Jedes Mal wurde die Zahl größer.

„Es geht weg!“, flüsterte Til. „Das Gewitter läuft davon, weil wir es zählen!“

Papa lächelte. „Vielleicht hat es ein bisschen Angst vor uns.“

Der Donner wurde leiser, nur noch ein müdes Brummen weit hinter den Hügeln. Til drückte die Nase an die kühle Scheibe. „Noch ein bisschen, Papa. Vielleicht kommt ja noch ein großer.“

Aber es kam keiner mehr. Nur der Regen blieb und klopfte jetzt ganz sanft, tick, tick, tick.

In der Küche machte Papa zwei Tassen warme Milch mit Honig. Sie schmeckte süß und roch nach Zuhause.

Dann kuschelte sich Til wieder in sein Bett. Der Regen tickte leise weiter, wie ein kleines Schlaflied. Til zählte noch einmal im Kopf. Eins … zwei … drei … Und bevor er bei vier war, schlief er schon fest.

Zum Weitererzählen

Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.

Hast du verstanden, was passiert ist?
  • Was hat Til am Anfang Angst gemacht?
  • Was hat Papa mit Til am Fenster gemacht?
  • Wie hat sich Til am Ende der Geschichte gefühlt?
Kennst du das aus deinem Leben?
  • Hast du auch schon mal ein Gewitter erlebt? Was hast du dabei gehört?
  • Was machst du, wenn du nachts nicht schlafen kannst?
  • Wer hilft dir, wenn du dich vor etwas fürchtest?
Was wäre, wenn …?
  • Was könnte Til beim nächsten Gewitter machen?
  • Stell dir vor, die Wolken hätten wirklich Möbel. Wie würden die aussehen?

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Agnes Taron

von Agnes Taron

Mutter von Leonardo & Lynn, Mitgründerin von kinderschatzkiste.de. Nach fünf Jahren Elternzeit mit täglichem Vorlese-Alltag weiß sie, was Kinder abends wirklich brauchen.