Es war viel zu warm zum Schlafen. Nora schob das Fenster auf — und da, unten im dunklen Garten, blinkte etwas. An. Aus. An.
Sie schlich auf Zehenspitzen ins Wohnzimmer, wo Opa noch in seinem Sessel saß. „Opa“, flüsterte sie. „Im Garten sind Lichter. Ganz kleine.“
Opa legte sein Buch weg und lächelte. „Dann sollten wir mal nachschauen, findest du nicht?“
Die Terrassentür quietschte leise. Draußen war die Luft warm und weich, und das Gras kitzelte kühl an Noras nackten Füßen. Irgendwo zirpten Grillen.
Und überall – über den Blumen, zwischen den Büschen – schwebten winzige goldene Lichter. An. Aus. An.
„Sind das Feen?“, hauchte Nora. Sie traute sich kaum zu atmen.
„Fast“, sagte Opa und ging in die Knie. „Das sind Glühwürmchen. Kleine Käfer, die ein Lämpchen im Bauch tragen. Sie leuchten, um einander im Dunkeln zu finden.“
Ein Glühwürmchen setzte sich auf Noras Finger. Es kribbelte ganz leicht. Das Lämpchen ging an und tauchte ihre ganze Hand in goldenes Licht.
„Ich will es behalten“, sagte Nora sofort. „Für immer. In meinem Zimmer.“
Opa holte ein leeres Marmeladenglas. Vorsichtig setzte Nora das Glühwürmchen hinein und drehte den Deckel mit den Luftlöchern zu.
Doch im Glas wurde das Lämpchen kleiner. Und kleiner. Es blinkte nur noch müde, als würde es nach etwas suchen.
Nora schaute lange hin. Drinnen leuchtet es nicht mehr richtig, dachte sie. Vielleicht sucht es seine Freunde.
„Opa“, sagte sie leise. „Ich glaube, es will nach Hause.“
Sie drehte den Deckel auf und hielt das Glas hoch in die warme Nacht.
Das Glühwürmchen kletterte an den Rand, machte sein Lämpchen wieder ganz hell – und stieg auf.
Und dann geschah etwas, das Nora nie vergessen würde. Überall im Garten gingen plötzlich die Lichter an, hundert kleine Lampen auf einmal, als hätten alle nur darauf gewartet. Es sah aus, als hätte jemand die Sterne in die Büsche gestreut.
Nora stand ganz still mit offenem Mund. „Sie sagen Danke“, flüsterte sie.
Opa hob sie hoch, und sie legte den Kopf an seine Schulter. Er roch nach Pfefferminztee und ein bisschen nach Sommer.
Im Bett ließ Nora das Fenster offen. Draußen blinkte der Garten leise weiter, an und aus, an und aus, als würde er ganz ruhig atmen. Und Nora schlief ein, mitten in ihrem eigenen Sternenhimmel.
Zum Weitererzählen
Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.
Hast du verstanden, was passiert ist?
- Was hat Nora im Garten entdeckt?
- Warum hat das Glühwürmchen im Glas nicht mehr richtig geleuchtet?
- Was ist passiert, als Nora das Glühwürmchen wieder freigelassen hat?
Kennst du das aus deinem Leben?
- Hast du schon mal in der Nacht draußen etwas Besonderes gesehen?
- Wie würdest du dich fühlen, wenn ein Glühwürmchen auf deiner Hand sitzt?
- Hattest du auch schon mal etwas Lebendiges in der Hand? Was war das?
Was wäre, wenn …?
- Was könnte das Glühwürmchen seinen Freunden über Nora erzählen?
- Stell dir vor, du könntest auch leuchten wie ein Glühwürmchen. Was würdest du damit machen?




