Resa hüpfte den langen Flur entlang, ihre Schuhe quietschten auf dem glänzenden Boden. Es roch ein bisschen streng, so wie frisch geputzt.
„Nicht rennen, mein Schatz“, sagte Papa und hielt ihre Hand. „Zimmer sieben. Gleich da vorne.“
In Resas Bauch kribbelte es. Seit gestern hatte sie ein Brüderchen. Ein echtes, kleines Brüderchen. Aber was, wenn es sie gar nicht mochte?
In ihrer Tasche steckte ihr Hase Floppo. Den hatte sie schon, seit sie selbst ein Baby war. Vielleicht mag das Brüderchen ihn ja auch, hatte sie gedacht.
Dann waren sie da. Mama saß in einem großen Bett und strahlte, obwohl sie ein bisschen müde aussah. In ihren Armen lag ein winziges Bündel.
„Komm her, meine Große“, sagte Mama leise. „Schau mal, wer da ist.“
Resa stellte sich auf die Zehenspitzen. Das Brüderchen war so klein. Es hatte winzige Finger und eine Nase wie ein Knopf. Die Augen waren fest zu.
„Es schläft“, flüsterte Resa enttäuscht. „Es merkt ja gar nicht, dass ich da bin.“
„Versuch mal, mit ihm zu reden“, sagte Papa. „Babys hören schon ganz lange zu. Sogar als es noch in Mamas Bauch war, hat es deine Stimme gehört.“
Resa beugte sich vorsichtig hinunter. „Hallo“, flüsterte sie. „Ich bin Resa. Deine große Schwester.“
Und da geschah etwas. Das Brüderchen drehte den Kopf. Ganz langsam, dem Klang ihrer Stimme nach. Dann öffnete sich ein winziges Händchen — und griff fest um Resas Finger.
Resa hielt die Luft an. „Es hält mich fest!“, hauchte sie. „Mama, es kennt mich!“
„Natürlich kennt es dich“, sagte Mama und lächelte. „Du bist seine Schwester.“
Ganz behutsam holte Resa Floppo aus der Tasche und legte ihn neben das Bündel. „Den schenk ich dir“, sagte sie. „Er passt auf dich auf. So wie er auf mich aufgepasst hat.“
Resa durfte sich zu Mama setzen, ein Kissen unter den Arm, und das Brüderchen ganz vorsichtig halten. Es war warm und leicht und roch ein bisschen wie frisches Brot.
Zu Hause malte Resa am Abend ein großes Bild: sie, das Brüderchen und Floppo, alle drei nebeneinander. Das wollte sie morgen mit ins Krankenhaus nehmen.
Im Bett kuschelte sie sich ein und dachte an die kleinen Finger um ihren Finger. Große Schwester. Das klang gut. Bevor sie einschlief, übte sie noch ganz leise das Lied, das sie ihrem Brüderchen morgen vorsingen wollte.
Zum Weitererzählen
Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.
Hast du verstanden, was passiert ist?
- Was hat Resa in ihrer Tasche dabei als sie ins Krankenhaus geht?
- Was macht das Baby, als Resa mit ihm spricht?
- Was malt Resa am Abend zu Hause?
Kennst du das aus deinem Leben?
- Hast du schon mal ein Baby gesehen oder kennengelernt? Wie war das?
- Was würdest du einem Baby schenken oder zeigen wollen?
- Wie fühlt es sich an, wenn jemand deine Hand festhält?
Was wäre, wenn …?
- Was könnte Resa ihrem Brüderchen morgen vorsingen?
- Was machen Resa und ihr Brüderchen zusammen, wenn er größer ist?




