Zum Inhalt springen
Moritz fährt lehnend wie ein Frosch auf seinem Fahrrad die Auffahrt hinunter, Papa jubelt hinter ihm

GESCHICHTE

Moritz und der Frosch-Trick

Gute Nacht GeschichtenGute Nacht Geschichten für 4-6 Jahre
1

„Fertig!“, rief Papa. Er hielt die Stützräder in der Luft wie zwei Fische.

Moritz stand am Anfang der Auffahrt. In der einen Hand die Klingel, in der anderen den Helm. Sein Bauch fühlte sich an wie zu viel Limo.

Am anderen Ende der Straße kam Jule vorbeigeradelt. Jule war acht. Jule konnte alles. Sie winkte, Moritz winkte zurück, und das Fahrrad fiel beinahe um.

„Los, Moritz!“, rief Papa. „Erster Versuch.“

Moritz setzte sich. Er trat in die Pedale. Zwei halbe Umdrehungen. Dann kippte das Fahrrad nach links, Moritz nach rechts, und alle beide landeten im Gras. Papa stoppte ihn mit der Hand.

„Macht nichts. Zweiter Versuch.“

Der zweite Versuch dauerte drei Meter. Der dritte Versuch dauerte eins-Komma-fünf Meter. Beim vierten Versuch fiel Moritz, bevor er überhaupt angefangen hatte zu treten.

„Ich kann es nicht“, sagte Moritz ins Gras.

Papa setzte sich neben ihn. „Doch. Du guckst nur nicht richtig.“

„Was?“

„Du guckst auf deinen Lenker. Du musst aber vorne hingucken.“ Papa zeigte mit dem Finger die Auffahrt runter. „Bis zum Zaun. Und dabei machst du einen Frosch.“

Moritz schaute Papa an. „Einen Frosch?“

„Ja. Ganz leicht nach vorne. Wie ein Frosch kurz bevor er springt.“ Papa hockte sich hin und machte es vor. Er sah sehr lustig aus.

„Papa, Frösche fahren kein Fahrrad.“

„Woher willst du das wissen?“

Moritz musste grinsen. Ganz kurz.

Er stand auf. Setzte sich wieder aufs Fahrrad. Zum fünften Mal.

Er machte einen Frosch.

Er schaute zum Zaun. Nur zum Zaun. Nicht auf den Lenker, nicht auf die Pedale, nicht auf seine Hände.

Er trat.

Die Räder rollten. Einmal, zweimal, dreimal. Der Zaun kam näher. Moritz spürte Papa hinter sich. Papa sagte nichts.

Der Zaun kam näher.

Und näher.

Und jetzt ziemlich schnell.

„PAPA, WIE BREMST MAN?!“, schrie Moritz.

Er hörte Papa rufen. Aber gleichzeitig sah er die große Pfütze am Ende der Auffahrt. Er trat rückwärts. Er lehnte sich so sehr zurück wie vorher nach vorne. Die Pfütze kam.

PLATSCH.

Wasser spritzte bis zu seinen Ohren hoch. Die Reifen glitten. Moritz stemmte beide Füße in die Pfütze und blieb stehen.

Er blieb stehen. Auf dem Fahrrad. Ohne umzufallen.

„MORITZ!“, rief Papa. Er rannte die Auffahrt runter. „Moritz, das waren fünfundzwanzig Meter! Fünfundzwanzig!“

Moritz drehte sich um. Die Auffahrt sah viel länger aus, wenn man sie schon runtergefahren war. Oben stand Papa mit den Stützrädern in der Hand und einem Gesicht, das strahlte.

„Ich war ein Frosch“, sagte Moritz. Seine Socken waren nass.

Jule kam zurückgeradelt. Sie hielt an. „Hast du?“

Moritz nickte. Sehr, sehr feierlich.

„Cool“, sagte Jule. „Willkommen im Club.“

Später auf der Treppe zog Mama ihm die nassen Socken aus. Sie hörte sich die ganze Geschichte an. Beim Frosch-Teil musste sie lachen, und beim Pfützen-Teil nochmal, und beim Fünfundzwanzig-Meter-Teil machte sie das Gesicht, das sie nur bei ganz wichtigen Dingen macht.

„Weißt du was das Beste ist?“, fragte Moritz.

„Hmm?“

„Ich kann es einfach nochmal.“ Moritz starrte auf seine nackten Füße. „Immer. Wann ich will.“

Mama zog ihm trockene Socken an. „Genau“, sagte sie. „Genau so ist das.“

Zum Weitererzählen

Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.

Hast du verstanden, was passiert ist?
  • Was hat Papa gemacht, damit Moritz besser Fahrrad fahren kann?
  • Wo sollte Moritz hingucken statt auf den Lenker?
  • Wie hat Moritz es geschafft am Ende zu bremsen?
Kennst du das aus deinem Leben?
  • Woran merkst du, dass du aufgeregt bist?
  • Was hast du schon mal gelernt, das am Anfang schwierig war?
  • Wer hat dir geholfen, als du etwas Neues lernen wolltest?
Was wäre, wenn …?
  • Was könnte Moritz als nächstes mit seinem Fahrrad machen?
  • Was würde Jule zu Moritz sagen, wenn sie zusammen Fahrrad fahren?

Hat dir die Geschichte gefallen?





Anmelden damit deine Bewertung gespeichert bleibt

Agnes Taron

von Agnes Taron

Mutter von Leonardo & Lynn, Mitgründerin von kinderschatzkiste.de. Nach fünf Jahren Elternzeit mit täglichem Vorlese-Alltag weiß sie, was Kinder abends wirklich brauchen.