Fenno konnte es kaum glauben: Heute durfte er im Zelt schlafen. Im echten Zelt, mitten im Garten, die ganze Nacht.
Papa hatte es am Nachmittag aufgebaut, grün und rund wie ein kleiner Hügel. Drinnen lagen zwei Schlafsäcke, eine Taschenlampe und Fennos Kuscheldrache.
„Pass gut auf deine große Schwester auf“, sagte Papa und zwinkerte, als er Bea und Fenno gute Nacht wünschte. Bea verdrehte die Augen. „Eher andersrum.“
Es war herrlich. Durch das kleine Zeltfenster konnte Fenno die ersten Sterne sehen. Die Grillen zirpten, und das Gras roch frisch und kühl.
Dann, mitten in der Dunkelheit — ein Rascheln. Ganz nah am Zelt. Raschel, raschel, schnüffel.
Bea fuhr hoch. „Was war das?“, flüsterte sie. Ihre Stimme klang plötzlich ganz klein. „Fenno, da ist was draußen!“
Fennos Herz klopfte auch. Aber er dachte an Papas Taschenlampe. Erst gucken, dann Angst haben, sagte Papa immer.
„Wir schauen einfach nach“, flüsterte Fenno. Er nahm die Lampe fest in beide Hände. „Komm. Ganz leise.“
Vorsichtig zog er den Reißverschluss auf. Knirsch. Er knipste die Lampe an und leuchtete ins Gras.
Da war es. Ein kleiner Igel, rund wie ein Tannenzapfen, stocherte mit der Nase im Gras herum. Als das Licht ihn traf, rollte er sich ein klein wenig zusammen und schnaufte beleidigt.
„Ein Igel!“, hauchte Bea, und auf einmal war die Angst weg. „Er sucht bestimmt Schnecken.“
Sie schauten ihm zu, bis er gemächlich unter die Hecke watschelte. Dann legten sie sich zurück und schauten nach oben.
Über ihnen war der ganze Himmel voller Sterne. So viele hatte Fenno noch nie gesehen. „Da!“, sagte Bea und zeigte nach oben. „Eine Sternschnuppe!“
„Schnell, was wünschen“, flüsterte Fenno und kniff die Augen zu. Sein Wunsch: dass es noch ganz viele solche Nächte geben möge.
Sie kuschelten sich tief in ihre Schlafsäcke. Das Zelt war warm, draußen zirpten leise die Grillen, und irgendwo unter der Hecke schmatzte zufrieden ein Igel.
„Gute Nacht, Fenno“, murmelte Bea schon ganz verschlafen. „Du bist ein guter Zeltwächter.“
Fenno lächelte in die Dunkelheit. Er hatte keine Angst mehr — nicht ein kleines bisschen. Morgen früh würde er Papa von dem Igel erzählen. Und dann, während die Sterne über dem Zelt langsam verschwammen, schlief er ein, mitten in seinem eigenen kleinen Abenteuer.
Zum Weitererzählen
Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.
Hast du verstanden, was passiert ist?
- Was haben Bea und Fenno draußen vor dem Zelt entdeckt?
- Wer von den beiden hatte zuerst Angst bei dem Rascheln?
- Was hat sich Fenno gewünscht, als die Sternschnuppe vorbeiflog?
Kennst du das aus deinem Leben?
- Hast du schon mal draußen oder in einem Zelt geschlafen? Wie war das für dich?
- Was machst du, wenn du nachts ein Geräusch hörst und nicht weißt, was es ist?
- Wann hattest du mal Angst und hast dann gemerkt, dass alles gut ist?
Was wäre, wenn …?
- Was hätte Fenno wohl gemacht, wenn statt dem Igel ein größeres Tier gekommen wäre?
- Was könnten Fenno und Bea beim nächsten Zelten noch alles erleben?




