Ida war noch gar nicht richtig wach, da roch sie es schon. Etwas Warmes. Etwas Süßes. Etwas, das sie noch gar nicht kannte.
Sie öffnete ein Auge. Dann das andere. Über ihr keine Blätterdecke mehr – nur blauer Himmel.
Ida streckte sich, rollte ihren kleinen Körper aus dem Laubhaufen heraus und blinzelte. Die Luft traf sie wie ein freundlicher Kuss: warm, frisch, nach Erde und Blüten.
„Oh“, sagte Ida.
Überall Grün. Die Wiese war satt und prall, als hätte jemand frische Farbe hingestreut. Zwischen dem Gras blitzten gelbe Tupfen – Löwenzahn, so viele wie Sterne.
Ida watschelte los, die Nase voran.
Etwas Buntes flatterte ihr vor die Schnauze. Ein Schmetterling – orange und schwarz getigert, größer als ihre Pfote. Er setzte sich auf eine Blüte und klappte die Flügel auf und zu.
„Hallo“, flüsterte Ida.
Der Schmetterling schien zu nicken und flatterte weiter – zur alten Erdbeerhecke. Da hingen zwischen den Blättern kleine rote Punkte. Ida stupste einen vorsichtig an. Er fiel in ihre Pfote.
Sie biß hinein. Süß! So saftig und süß, dass sie die Augen schloss.
„He! Du hast meine Erdbeere gegessen!“, quakte es plötzlich.
Ida erschrak. Ein kleiner grüner Frosch saß auf dem nächsten Blatt und blinzelte sie an. Dann grinste er breit.
„War ein Witz. Ich mag keine Erdbeeren. Wollte nur schauen, ob du wach bist.“ Er hüpfte näher. „Willkommen im Frühling, Igelin!“
„Danke“, sagte Ida. „Ich bin Ida.“
„Fidi“, sagte der Frosch – und hopste davon.
Weiter führte die Nase sie zum kleinen Bach. Im Winter war der still gewesen. Heute sprudelte und rauschte er so fröhlich, als hätte er den ganzen Schlaf nachgeholt.
Ida setzte sich ans Ufer und hörte zu.
Schließlich fand sie einen Sonnenfleck, wo die Wärme genau passte. Sie rollte sich zusammen, die Nase unter den Bauch getuckt.
Etwas Kleines kitzelte an einer ihrer Stacheln. Der Schmetterling. Er saß einfach da.
Ida kicherte – ein leises, schlümmeriges Kichern. Vielleicht war Aufwachen gar nicht so schlimm.














