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Junge sitzt ruhig mit Pflaumenkuchen am Gartentisch, eine Wespe summt, Opa lächelt beruhigend daneben

GESCHICHTE

Jaron und die Wespe am Kuchen

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Es summte. Ganz nah an Jarons Ohr.

Jaron saß am Gartentisch, vor sich ein dickes Stück Pflaumenkuchen. Die Sonne schien, Oma hatte Saft eingeschenkt, und alles war herrlich – bis die Wespe kam.

„Geh weg!“, rief Jaron und wedelte wild mit den Armen. „Hau ab!“

Die Wespe wurde nur noch wilder. Sie schwirrte um Jarons Kopf, mal hierhin, mal dorthin. Jaron sprang auf, der Stuhl kippte fast um. „Sie sticht mich gleich!“, schrie Jaron fast weinend.

„Pssst“, sagte Opa ruhig und legte Jaron eine Hand auf die Schulter. „Setz dich wieder hin. Und jetzt mach mal gar nichts. Ganz, ganz still.“

„Aber sie —“

„Vertrau mir“, sagte Opa leise. „Wespen mögen kein Gefuchtel. Davon kriegen sie Angst, und dann stechen sie. Wenn du still bist, bist du für sie nur ein langweiliger Berg.“

Jaron schluckte. Stillsitzen, während die Wespe da war? Das war das Schwerste der Welt. Aber er vertraute Opa. Er setzte sich hin, legte die Hände in den Schoß und machte sich ganz steif.

Die Wespe brummte näher. Sie landete – ausgerechnet auf Jarons Arm.

Jaron hielt die Luft an. Sein Herz pochte. Die kleinen Wespenbeinchen kitzelten auf seiner Haut.

Aber die Wespe stach nicht. Sie krabbelte ein Stück, schleckte einen winzigen Tropfen Saft von seinem Arm – und flog dann wieder davon, satt und zufrieden.

Jaron atmete aus. „Sie ist weg“, flüsterte er staunend. „Sie hat gar nicht gestochen.“

„Siehst du“, sagte Opa und lächelte. „Sie wollte nur was Süßes. Genau wie du.“

Dann hatte Opa eine Idee. Er nahm einen kleinen Teller, tat einen Klecks Marmelade darauf und stellte ihn ans andere Ende des Gartens, weit weg vom Tisch. „Das ist jetzt der Wespen-Tisch“, sagte Opa. „Da feiern die ihr eigenes Kaffeekränzchen.“

Und tatsächlich – bald summten zwei, drei Wespen um den kleinen Marmeladenteller und ließen den großen Tisch in Ruhe.

Jaron aß seinen Pflaumenkuchen in Frieden. Er schmeckte jetzt noch besser, weil Jaron keine Angst mehr hatte. Ab und zu schaute er zum Wespen-Tisch hinüber und musste grinsen. „Guten Appetit, Wespen“, sagte er.

Am Abend lag Jaron im Bett. Durchs Fenster roch es noch nach Pflaumenkuchen und warmem Gras.

„Weißt du, Opa hatte recht“, murmelte er, als Mama ihm einen Kuss gab. „Stillhalten ist ein guter Trick.“

„Ein sehr guter Trick“, sagte Mama.

Jaron kuschelte sich ein und stellte sich die kleinen Wespen vor, wie sie an ihrem eigenen Tischchen saßen und Marmelade naschten. Der Gedanke war so lustig, dass er noch lächelte, als er schon fast schlief.

Und dann schlief er ein, satt und mutig und ganz ohne Angst.

Zum Weitererzählen

Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.

Hast du verstanden, was passiert ist?
  • Was hat Jaron am Anfang gemacht, als die Wespe kam?
  • Was hat Opa zu Jaron gesagt, damit er ruhig wird?
  • Was hat Opa mit dem kleinen Teller und der Marmelade gemacht?
Kennst du das aus deinem Leben?
  • Hattest du auch schon mal Angst vor einer Wespe oder einem anderen Tier?
  • Was machst du, wenn eine Wespe in deine Nähe kommt?
  • Wer hat dir schon mal geholfen, als du Angst hattest?
Was wäre, wenn …?
  • Was wäre passiert, wenn Jaron weiter mit den Armen gewedelt hätte?
  • Stell dir vor, die Wespen könnten sprechen. Was würden sie zu Jaron sagen?

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Agnes Taron

von Agnes Taron

Mutter von Leonardo & Lynn, Mitgründerin von kinderschatzkiste.de. Nach fünf Jahren Elternzeit mit täglichem Vorlese-Alltag weiß sie, was Kinder abends wirklich brauchen.