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Mädchen auf dem Sommerfest schaut ihrem roten Luftballon nach, der zum blassen Tagmond aufsteigt, Papa daneben

GESCHICHTE

Miras Luftballon

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Der rote Luftballon war das Schönste auf dem ganzen Sommerfest.

Mira hatte ihn von dem Mann am Stand bekommen, prall und glänzend, an einer langen Schnur. Er zog nach oben, als wollte er unbedingt zum Himmel. Mira hielt die Schnur ganz fest und war mächtig stolz.

Sie schaute den Karussells zu. Sie roch gebrannte Mandeln. Sie hüpfte und lachte – und vergaß für einen winzigen Moment, die Schnur festzuhalten.

Da glitt sie ihr aus der Hand.

„Nein!“, rief Mira und sprang in die Höhe. Aber der Ballon war schon zu hoch. Er stieg und stieg, der rote Punkt wurde kleiner und kleiner.

Miras Augen füllten sich mit Tränen. „Mein Ballon“, schluchzte sie. „Er ist weg.“

Papa kniete sich neben sie und legte einen Arm um sie. Er schimpfte nicht. Er sagte nicht „Du hättest besser aufpassen müssen“. Er schaute einfach mit ihr nach oben.

„Schau mal, wie hoch er schon ist“, sagte Papa leise. „Wo der wohl hinfliegt?“

Mira schniefte. „Weiß nicht.“

„Vielleicht“, sagte Papa, „fliegt er über die hohen Bäume. Und dann winkt er den Vögeln zu. Und dann fliegt er noch höher, bis zu den Wolken, und macht eine kleine Pause auf einer ganz weichen.“

Mira wischte sich die Tränen ab und schaute hinauf. Der Ballon war jetzt nur noch ein winziger roter Tupfen.

„Und dann?“, fragte sie.

„Dann“, sagte Papa, „besucht er vielleicht den Mond. Schau, da ist er ja schon, ganz blass am Tageshimmel.“

Mira entdeckte den blassen Mond. Und der kleine rote Punkt schien genau auf ihn zuzufliegen.

„Dann soll er dem Mond einen schönen Gruß bringen“, sagte Mira. Sie holte tief Luft. Und dann hob sie die Hand und winkte. „Tschüss, Ballon! Grüß den Mond!“

Der rote Tupfen verschwand zwischen den Wolken. Mira ließ die Hand sinken. Es war immer noch ein bisschen traurig. Aber es war auch ein bisschen schön.

„Komm“, sagte Papa. „Ich glaub, da hinten gibt es ein Karussell.“

Mira nahm seine Hand. Sie fuhr dreimal Karussell, aß eine Tüte gebrannte Mandeln und gewann beim Dosenwerfen einen kleinen Glitzerstein. Aber ab und zu schaute sie noch nach oben und musste lächeln.

Am Abend, im Bett, hielt Mira ihren Glitzerstein fest in der Hand.

„Papa?“, flüsterte sie. „Glaubst du, mein Ballon ist jetzt beim Mond?“

„Ganz bestimmt“, sagte Papa und strich ihr übers Haar.

Mira machte die Augen zu. Sie stellte sich den roten Ballon vor, wie er ganz oben am Mond schaukelte, gemütlich wie in einer Hängematte.

Und mit diesem Bild im Kopf schlief Mira ein – und im Traum flog sie ein kleines Stück mit.

Zum Weitererzählen

Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.

Hast du verstanden, was passiert ist?
  • Was hat Mira auf dem Sommerfest bekommen?
  • Wie hat Papa reagiert, als der Ballon weggeflogen ist?
  • Was hat Mira am Ende des Tages alles erlebt?
Kennst du das aus deinem Leben?
  • Hast du schon mal etwas verloren, das dir wichtig war?
  • Was hilft dir, wenn du traurig bist?
  • Welche schönen Momente hattest du schon auf einem Fest?
Was wäre, wenn …?
  • Was könnte der Ballon noch alles sehen auf seiner Reise?
  • Stell dir vor, du könntest mit dem Ballon fliegen – wohin würdest du gehen?

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Agnes Taron

von Agnes Taron

Mutter von Leonardo & Lynn, Mitgründerin von kinderschatzkiste.de. Nach fünf Jahren Elternzeit mit täglichem Vorlese-Alltag weiß sie, was Kinder abends wirklich brauchen.