Tjell wälzte sich von einer Seite auf die andere. Die Decke war zu warm. Das Kissen war zu warm. Sogar die Luft im Zimmer war zu warm.
„Ich kann nicht schlafen“, rief Tjell. „Es ist so heiß!“
Papa kam herein und setzte sich auf die Bettkante. Er schimpfte nicht, dass Tjell schon zum dritten Mal gerufen hatte. Er fächelte ihm nur mit einem Buch ein bisschen Luft zu.
„Weißt du was“, sagte Papa nach einer Weile. „Bei so einer heißen Nacht habe ich als Kind immer etwas Besonderes gemacht. Komm mit.“
Tjell folgte Papa, neugierig. Sie holten Tjells Matratze, ein Kissen und eine ganz dünne Decke. Und dann trugen sie alles hinaus – auf den Balkon.
„Wir schlafen draußen?“, fragte Tjell mit großen Augen.
„Wir schlafen draußen“, sagte Papa und lächelte.
Auf dem Balkon war die Luft viel kühler. Ein leises Lüftchen strich über Tjells heiße Haut. Es fühlte sich herrlich an.
Tjell legte sich auf seine Matratze und schaute nach oben. Und da stockte ihm fast der Atem. Der ganze Himmel war voller Sterne. Hunderte. Tausende. So viele hatte Tjell noch nie gesehen.
„Wow“, flüsterte er.
„Pssst“, machte Papa leise. „Hör mal.“
Tjell lauschte. Irgendwo zirpten Grillen. Ganz weit weg bellte ein Hund. Und dann, hoch über ihnen, huschte etwas Dunkles vorbei.
„Was war das?“, flüsterte Tjell.
„Eine Fledermaus“, sagte Papa. „Die jagt jetzt nachts Mücken. Tagsüber schläft sie, kopfüber.“
„Kopfüber?“, kicherte Tjell. Er stellte sich vor, kopfüber zu schlafen, und musste leise lachen.
Sie lagen ganz still und schauten in den Sternenhimmel. Die Luft roch nach Sommernacht, nach Gras und ein bisschen nach den Blumen vom Balkonkasten.
Und dann – ein heller Strich am Himmel, ganz schnell, dann weg.
„Eine Sternschnuppe!“, flüsterte Papa. „Schnell, wünsch dir was.“
Tjell machte die Augen zu und wünschte sich ganz fest, dass es noch viele solche Nächte geben würde.
Die kühle Luft strich sanft über sein Gesicht. Die Grillen zirpten leise wie ein Schlaflied. Tjells Augenlider wurden schwer.
„Papa?“, murmelte er. „Können wir jetzt immer draußen schlafen?“
„Vielleicht nicht immer“, sagte Papa leise. „Aber an ganz besonderen heißen Nächten – ja.“
Tjell kuschelte sich in seine dünne Decke. Eben war ihm noch viel zu heiß gewesen. Jetzt, unter den vielen Sternen, mit der kühlen Luft und Papa neben sich, fielen ihm die Augen ganz von allein zu.
Und während über ihm die Sterne leise funkelten, schlief Tjell ein – mitten im Sommer, mitten im Himmel.
Zum Weitererzählen
Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.
Hast du verstanden, was passiert ist?
- Was hat Papa gemacht, damit Tjell besser schlafen konnte?
- Was hat Tjell alles am Himmel gesehen?
- Welche Geräusche konnte Tjell nachts auf dem Balkon hören?
Kennst du das aus deinem Leben?
- Hast du auch schon mal draußen geschlafen? Wie war das für dich?
- Was machst du, wenn dir nachts zu warm oder zu kalt ist?
- Kannst du von deinem Fenster aus auch Sterne sehen? Was siehst du da?
Was wäre, wenn …?
- Was würdest du dir wünschen, wenn du eine Sternschnuppe sehen würdest?
- Stell dir vor, du könntest wie die Fledermaus fliegen. Wohin würdest du nachts fliegen?




