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Junge betrachtet ein Insektenhotel am Zaun neben Lavendel, eine pelzige Wildbiene fliegt heran

GESCHICHTE

Bent und das Insektenhotel

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Bent drückte das letzte Bündel hohler Halme in das kleine Holzhaus. „Fertig!“, rief er. „Das schönste Insektenhotel der Welt.“

Den ganzen Vormittag hatte er mit Opa daran gebaut. Es hatte ein Dach und viele kleine Zimmer. In manchen steckten Bambushalme, in anderen Tannenzapfen, in einem Loch klebte sogar getrockneter Lehm. Bent hatte alles selbst hineingestopft.

„Und jetzt?“, fragte Bent.

„Jetzt warten wir auf Gäste“, sagte Opa und hängte das Hotel an den Zaun, dort im kühlen Schatten unter dem großen Baum.

Bent setzte sich davor und wartete. Er wartete sehr lange. Eine Stunde. Eine ganze, lange Stunde. Aber kein einziges Insekt kam.

Am nächsten Tag schaute Bent gleich nach dem Aufstehen nach. Leer. Am Tag danach auch. Und am Tag danach immer noch.

Bent ließ die Schultern hängen. „Mein Hotel ist doof“, sagte er traurig. „Da will keiner wohnen. Ich hab’s bestimmt falsch gebaut.“

Opa hockte sich neben ihn und betrachtete das Hotel lange. „Hmm“, machte er. „Das Hotel ist wunderschön, Bent. Vielleicht liegt es gar nicht am Hotel. Vielleicht liegt es am Ort. Schau mal – hier ist es den ganzen Tag dunkel und kühl.“

Bent schaute. Unter dem Baum war es wirklich schattig.

„Die kleinen Insekten“, sagte Opa, „die lieben die Sonne. Und sie brauchen etwas zu futtern in der Nähe.“

Bent dachte nach. Dann wusste er es. „Bei den Blumen!“, rief er. „Da, wo es warm ist!“

Gemeinsam hängten sie das Hotel um. An den sonnigen Zaun, gleich neben Mamas Beet voller Lavendel und bunter Blumen. Die Sonne schien jetzt mitten auf die kleinen Zimmer.

„Und jetzt?“, fragte Bent.

„Jetzt warten wir wieder“, sagte Opa und zwinkerte. „Aber nicht zu lange, glaube ich.“

Am nächsten Morgen musste Bent kaum aus dem Bett gelockt werden. Er rannte gleich in den Garten, im Schlafanzug, barfuß über das taunasse Gras.

Und da – summ. Etwas Kleines, Pelziges schwirrte um das Hotel herum. Es war kein Schmetterling, auf den Bent gehofft hatte. Es war eine dicke, flauschige Wildbiene. Sie krabbelte in eines der Bambusröhrchen, summte zufrieden und kam wieder heraus.

„Opa! Opa! Ein Gast!“, schrie Bent. „Eine Biene! Sie zieht ein!“

Den ganzen Tag flog die Wildbiene hin und her. Sie trug winzige Klümpchen Lehm in ihr Röhrchen und baute sich darin gemütliche kleine Zimmerchen.

Am Abend stand Bent noch einmal vor seinem Hotel. Die Wildbiene war jetzt still in ihrem Röhrchen. Die letzten Sonnenstrahlen wärmten das kleine Holzdach.

„Gute Nacht, Hotelgast“, flüsterte Bent.

Im Bett konnte er die Augen kaum aufhalten. Er sah noch die pelzige Biene vor sich, wie sie in ihr warmes Zimmerchen krabbelte. Morgen, dachte Bent, schaue ich gleich nach, ob sie gut geschlafen hat.

Und dann schlief er selber ein, schneller als jede Biene.

Zum Weitererzählen

Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.

Hast du verstanden, was passiert ist?
  • Was hat Bent mit seinem Opa gebaut?
  • Warum kamen am Anfang keine Insekten ins Hotel?
  • Welches Tier hat am Ende im Hotel gewohnt?
Kennst du das aus deinem Leben?
  • Hast du schon mal etwas gebaut und musstest dabei etwas ausprobieren?
  • Wie fühlst du dich, wenn etwas nicht gleich beim ersten Mal klappt?
  • Hast du schon mal ein Insekt beobachtet? Was hat es gemacht?
Was wäre, wenn …?
  • Was könnte Bent als nächstes für die Tiere im Garten bauen?
  • Stell dir vor, du wärst die Wildbiene. Was erlebst du in deinem neuen Zuhause?

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Agnes Taron

von Agnes Taron

Mutter von Leonardo & Lynn, Mitgründerin von kinderschatzkiste.de. Nach fünf Jahren Elternzeit mit täglichem Vorlese-Alltag weiß sie, was Kinder abends wirklich brauchen.