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Junge Theo am Beckenrand mit Schwimmnudel und Trainerin im Schwimmbad

GESCHICHTE

Theos zweiter Sprung

Gute Nacht GeschichtenGute Nacht Geschichten für 4-6 Jahre
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Das Wasser gluckerte, und Theo paddelte mit den Armen, als wäre er ein kleiner Frosch. Aber in seinem Bauch saß etwas Seltsames — ein Grummeln, das sich anfühlte wie ein Stein.

Heute war die letzte Stunde mit Schwimmflügeln. Suse hatte es letzte Woche gesagt, freundlich und klar: „Ab nächste Woche probieren wir es ohne.“ Die anderen Kinder hatten gejubelt. Theo hatte mitgelacht, aber das Grummeln war sofort da gewesen, leise und hartnäckig.

Jetzt schwamm er im blauen Wasser, und die Neonlampen schickten lange, zitternde Lichtstreifen auf den Beckenboden. Der Chlorgeruch hing schwer in der feuchten Luft. Suse stand am Rand und rief: „Noch einmal quer, ihr schafft das!“

Theo paddelte. Links, rechts, links. Die Schwimmflügel drückten unter seinen Armen, weich und verlässlich, wie immer. Das Wasser plitschte um seine Ellbogen. Er wollte nicht daran denken, wie es nächste Woche ohne sie sein würde.

Dann: ein Zischen.

Ganz nah, direkt an seinem rechten Arm. Dann ein kleines Plopp. Theo spürte sofort, wie die rechte Seite nachgab — weicher, flacher. Der Flügel hatte Luft verloren. In zwei Sekunden war er so dünn wie eine Plastiktüte.

Theo paddelte schnell, mit allem was er hatte, und klammerte sich an die Leiter am Beckenrand. Das Metall war kalt unter seinen Fingern, glatt und fest. Er atmete. Das Wasser zog an seinen Beinen, aber er hielt sich.

Er schaute zu Suse hinüber. Sie kniete am anderen Ende des Beckens, die Hände ins Wasser getaucht, und half der kleinen Mia. Mia weinte ein bisschen. Suse sah nicht her.

Theo betrachtete den platten Flügel an seinem Arm. Mit einem funktionierenden Flügel weiterschwimmen — ginge das? Vielleicht würde es niemand merken. Er war doch schon fast am Rand gewesen. Vielleicht reichte ein Flügel für die letzten Minuten.

Aber dann spürte er es wieder: das Grummeln im Bauch. Diesmal stärker. Er dachte: Wenn ich jetzt wegtauche und es geht schief, muss Suse trotzdem kommen. Nur dann wäre es schlimmer.

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Er schluckte die feuchte Chlorluft runter. Er schaute noch einmal zu Suse. Sie richtete sich gerade auf.

„Suse!“, rief Theo. Seine Stimme klang höher als gewollt, aber sie trug weit über das Platschen und Lachen im Becken. „Mein Flügel ist kaputt.“

Suse drehte sich um. Sie schaute ihn einen Moment ernst an, die Augen schmal. Dann lächelte sie — warm, wie wenn man nach einem langen Tag nach Hause kommt. „Gut, dass du Bescheid sagst, Theo. Du gehörst hier ins Wasser.“

Sie watete zu ihm herüber, das Wasser spritzte um ihre Beine. Sie zog den platten Flügel von seinem Arm, dann auch den anderen. Theo spürte, wie seine Arme plötzlich frei waren, leicht und bloß in der warmen Schwimmbadluft.

„Ich zeige dir was Geheimes“, sagte Suse leise, fast als würde sie flüstern.

Sie drückte seine Hand flach gegen die Beckenwand, direkt unter der Wasseroberfläche. Die Kacheln fühlten sich glatt und ein bisschen rau an, kühl trotz des warmen Wassers. „Spür mal, wie das Wasser dich trägt.“

Theo wartete. Er traute sich kaum zu atmen. Das Wasser gluckerte leise an der Wand, ein sanftes, gleichmäßiges Geräusch. Dann — da war es. Ein ganz zartes Drücken von unten, als würden unsichtbare Hände seine Hüften hochhalten.

„Ich spür’s“, sagte Theo.

„Gut“, sagte Suse. „Jetzt kleine Wassertritte. Nur die Beine. Ich halte die Nudel.“

Sie schob ihm eine lange blaue Schwimmnudel unter den Bauch. Theo trat. Einmal, zweimal. Das Wasser schäumte weiß um seine Füße. Suse ließ die Nudel ein bisschen locker.

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„Noch mal treten“, sagte sie. „Fester.“

Theo trat. Und dann — für einen Atemzug, vielleicht zwei, vielleicht drei — hielt ihn das Wasser allein. Er fühlte es deutlich: das Wasser unter ihm, fest wie ein Kissen, das Licht, das durch die Oberfläche blitzte und kleine Punkte auf seinen Armen tanzen ließ. Drei Sekunden. Nicht weit. Aber genug.

Dann griff er nach der Nudel, und Suse lachte. „Da war er schon, dein Schwimmen.“

Theo grinste so breit, dass er Wasser in den Mund bekam. Er hustete und lachte gleichzeitig.

Die letzten Minuten des Kurses paddelten alle gemeinsam eine Runde, aber Theo hörte das Platschen um sich herum diesmal anders. Nicht als Lärm, der ihn ablenkte. Als Begleitung.

Als Papa ihn später abholte, roch Theo noch nach Chlor, und seine Haare tropften auf seinen Kragen. Papa kniete sich herunter, ein Handtuch in der Hand. „Wie war’s heute?“

Theo überlegte einen Augenblick. Dann strahlte er. „Ich war schon ohne Flügel. Drei Sekunden lang.“

Papa rieb ihm die Haare trocken, langsam und warm. „Drei Sekunden sind ein ganzes Abenteuer.“

Theo lehnte sich gegen ihn. Von draußen drang das Rauschen der Stadt herein, aber hier, im Eingang des Hallenbades, war es warm. Der Chlorgeruch vermischte sich mit dem Duft von Papas Jacke. Das Grummeln im Bauch war weg. An seiner Stelle saß etwas anderes — kleiner, aber fester. Fast wie drei Sekunden Wasser unter sich spüren.

Gerade genug.

Zum Weitererzählen

Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.

Hast du verstanden, was passiert ist?
  • Was ist mit Theos Schwimmflügel passiert?
  • Wen hat Theo um Hilfe gerufen?
  • Was hat Theo im Wasser gespürt, als Suse ihm geholfen hat?
Kennst du das aus deinem Leben?
  • Hast du schon mal etwas gemacht, das dir am Anfang Angst gemacht hat?
  • Wann hast du dich schon mal getraut, um Hilfe zu bitten?
  • Wie fühlt es sich für dich an, wenn du etwas Neues lernst?
Was wäre, wenn …?
  • Was könnte Theo beim nächsten Schwimmkurs alles erleben?
  • Was hätte passieren können, wenn Theo nichts gesagt hätte?

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Agnes Taron

von Agnes Taron

Mutter von Leonardo & Lynn, Mitgründerin von kinderschatzkiste.de. Nach fünf Jahren Elternzeit mit täglichem Vorlese-Alltag weiß sie, was Kinder abends wirklich brauchen.