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Yannik kniet lachend neben Oma im Sand und spielt mit bunten Murmeln im Sonnenlicht

GESCHICHTE

Yannik und die Murmeln von Oma

Gute Nacht GeschichtenGute Nacht Geschichten für 4-6 Jahre
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Yannik ließ sich mit einem lauten Seufzer auf die Gartenbank fallen. Vier ganze Tage bei Oma, und es war erst der zweite! Die Sonne brannte auf den Kiesweg, die Grillen zirpten, und ihm fiel absolut nichts ein, was er tun könnte.

„Mir ist so langweilig“, maulte er, als Oma mit einer Kanne Limonade aus dem Haus kam. „Zu Hause hab ich meine Bauklötze und meinen Roller und meine Freunde.“

Oma setzte sich neben ihn und schaute eine Weile nachdenklich in den Garten. „Weißt du was“, sagte sie schließlich, „als ich so klein war wie du, gab es hier kein Tablet und keinen Roller. Wir hatten nur das hier.“ Sie griff in ihre Schürzentasche und holte eine kleine, klimpernde Blechdose hervor. Yannik rutschte neugierig näher. „Was ist da drin?“

„Meine Murmeln“, flüsterte Oma und öffnete den Deckel. Bunte Glaskugeln funkelten in der Sonne, rot, grün und eine ganz besondere mit goldenen Streifen. „Die habe ich seit fünfzig Jahren aufgehoben.“ Yannik konnte es kaum glauben – so alt war ja nicht mal Papa.

Oma malte mit einem Stöckchen einen Kreis in den sandigen Weg. „Wer seine Murmel als Erster mitten hinein bringt, gewinnt. Aber pass auf – man braucht keine Kraft dafür. Man braucht ein ruhiges Händchen.“

Yannik schnappte sich die goldgestreifte Murmel und schoss sie mit voller Wucht los. Sie flog über den Kreis hinaus, mitten ins Gras. „Doof“, schimpfte er. Beim zweiten Versuch passierte dasselbe. Beim dritten auch.

„Ich kann das einfach nicht“, brummte Yannik und wollte die Murmel zurück in die Dose werfen. Wenn das nichts wurde, konnte er auch gleich wieder allein auf der Bank hocken und sich den ganzen Nachmittag langweilen.

„Warte kurz“, sagte Oma sanft. Sie kniete sich, ganz langsam wegen ihrer Knie, neben ihn in den Sand. „Nicht schießen. Nur ganz leicht anstupsen, mit dem Daumen.“ Sie zeigte es ihm, den Zeigefinger gebogen, den Daumen gespannt wie eine kleine Feder.

Yannik überlegte. Er könnte einfach reingehen und die Murmeln liegenlassen. Oder er könnte es noch einmal versuchen, genau so, wie Oma es ihm gezeigt hatte. Er entschied sich für die Murmel: Finger gebogen, Daumen gespannt – tock. Die Kugel rollte gemütlich über den Sand – und blieb genau, wirklich ganz genau, in der Mitte des Kreises liegen.

„Ich hab’s geschafft!“ Yannik sprang hoch und tanzte einmal um den Kreis herum. „Oma, guck mal, ich hab’s geschafft!“

„Siehst du“, lachte Oma, „manchmal reicht ein ganz kleiner Schubs.“ Sie erzählte ihm, wie sie früher mit ihrem Bruder auf genau diesem Weg gespielt hatte, jeden Sommer, bis der Himmel dunkel wurde.

Sie spielten weiter, bis die Grillen leiser wurden und die Luft nach warmem Gras roch. Am Abend durfte Yannik die goldgestreifte Murmel behalten, in seiner eigenen kleinen Dose neben dem Bett.

„Morgen zeig ich dir noch einen Trick“, flüsterte Oma beim Gutenachtkuss. Yannik kuschelte sich tief in die Kissen und lächelte. Langweilig? Nicht mehr im Geringsten. Die Sommerferien bei Oma hatten gerade erst richtig angefangen.

Zum Weitererzählen

Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.

Hast du verstanden, was passiert ist?
  • Was hat Oma aus ihrer Schürzentasche geholt?
  • Warum ist Yanniks Murmel beim ersten Mal über den Kreis hinausgeflogen?
  • Was hat Yannik am Ende des Tages von Oma bekommen?
Kennst du das aus deinem Leben?
  • Hast du auch schon mal etwas Neues gelernt, das am Anfang nicht geklappt hat?
  • Was machst du am liebsten mit deiner Oma oder deinem Opa?
  • Wann hast du dich das letzte Mal gelangweilt und dann doch etwas Schönes gefunden?
Was wäre, wenn …?
  • Welchen Trick könnte Oma Yannik am nächsten Tag zeigen?
  • Was würdest du mit Oma spielen, wenn du vier Tage bei ihr wärst?

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Agnes Taron

von Agnes Taron

Mutter von Leonardo & Lynn, Mitgründerin von kinderschatzkiste.de. Nach fünf Jahren Elternzeit mit täglichem Vorlese-Alltag weiß sie, was Kinder abends wirklich brauchen.