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Lara hält stolz ihren ersten ausgefallenen Milchzahn in der Hand, daneben eine silberne Zahnfee-Münze

GESCHICHTE

Lara und der wackelnde Zahn

Gute Nacht GeschichtenGute Nacht Geschichten für 4-6 Jahre
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„Aua, aua, nicht so doll!“, piepste Lara und schob Papas Hand weg. „Der bleibt!“

Papa lachte und steckte die Zahnbürste zurück in den Becher. „Schon gut. Aber wackelig ist er, oder?“

Lara fühlte mit der Zungenspitze. Vorne unten. Da war er – ihr erster Wackelzahn. Seit drei ganzen Tagen wackelte er wie ein winziges Türchen, das nicht zugehen wollte. Lara mochte ihn so. Sie hatte ihm sogar einen Namen gegeben: Wibbel.

„Was ist, wenn er nachts rausfällt und ich ihn verschlucke?“, flüsterte Lara, als Papa das Licht klein drehte. Auf dem Nachttisch stand eine Tasse Kakao mit einer Haut obendrauf. Lara mochte die Haut, Papa nicht.

„Dann passiert gar nichts“, sagte Papa. „Der hat sich einfach beeilt.“

„Aber dann kommt die Zahnfee nicht.“

„Doch“, sagte Papa und zog die Decke höher. „Die merkt das. Die hört das.“

Lara stellte sich die Zahnfee vor: klein wie ein Apfelkern, mit einem Beutel aus Spinnennetz. Sie wackelte vorsichtig an Wibbel. Er bewegte sich, aber er fiel nicht. *Gut so*, dachte Lara. *Bleib noch ein bisschen.*

Am nächsten Abend nach dem Essen erzählte Papa eine Geschichte vom Hund seines Onkels, der einmal ein ganzes Würstchen hinter die Couch geschmuggelt hatte. Mama lachte. Lara lachte mit. Sie lachte so laut, dass ihr Bauch wackelte und ihre Schultern bibberten. Und dann – mitten in einem riesigen „HAHA“ – spürte sie etwas Hartes auf der Zunge.

Sie hörte sofort auf.

„Papa“, sagte sie ganz leise.

Sie machte den Mund auf und schob etwas auf die flache Hand. Da lag er. Wibbel. Klein, weiß, mit einem winzigen rosa Pünktchen unten dran.

„Oh“, sagte Lara. Ihre Augen wurden ganz groß. Es hatte nicht weh getan. Kein bisschen.

„Ist mir auch passiert, als ich klein war“, sagte Mama. „Beim Lachen, genau wie bei dir.“

Vorsichtig fühlte Lara mit der Zunge. Da war jetzt eine Lücke, weich und ein bisschen seltsam, wie ein leerer Stuhl am Tisch. Sie tippte hinein. *Das fühlt sich lustig an*, dachte sie.

„Soll ich ihn unters Kissen legen?“, fragte sie.

„Wenn du möchtest“, sagte Papa.

Lara dachte kurz nach. Eigentlich wollte sie Wibbel behalten. In einer Streichholzschachtel, mit Watte. Aber sie wollte auch wissen, ob die Zahnfee wirklich kommt.

„Ich leg ihn drunter“, sagte sie. „Aber ich sage ihr, sie soll ihn vielleicht nur kurz anschauen.“

Mama half ihr, einen winzigen Zettel zu schreiben: *Liebe Zahnfee, das ist Wibbel. Sei vorsichtig.* Lara legte beides unters Kopfkissen.

Sie dachte, sie würde nicht einschlafen können. Aber dann war doch alles dunkel und warm, und der Kakao war noch ein bisschen im Bauch, und das Lachen vom Abend lag noch wie ein Kissen unter ihrem Kopf.

Als Lara am Morgen unters Kissen fasste, war Wibbel noch da. Daneben lag eine winzige silberne Münze, glatt wie ein Mondstein. Und auf dem Zettel stand in der allerkleinsten Schrift, die Lara je gesehen hatte: *Habe ihn lange angeschaut. Er ist sehr schön.*

Lara grinste mit ihrer neuen Lücke und steckte beides – Wibbel und die Münze – in die Streichholzschachtel.

Zum Weitererzählen

Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.

Hast du verstanden, was passiert ist?
  • Warum wollte Lara ihren Wackelzahn am Anfang noch behalten?
  • Wie ist Laras Zahn herausgefallen?
  • Was hat Lara am nächsten Morgen unterm Kissen gefunden?
Kennst du das aus deinem Leben?
  • Hast du auch schon mal einen Wackelzahn gehabt? Wie hat sich das angefühlt?
  • Hast du auch manchmal Angst vor Dingen, die sich verändern? Vor welchen?
  • Was würdest du dir wünschen, wenn bei dir eine Zahnfee käme?
Was wäre, wenn …?
  • Wie stellst du dir die Zahnfee vor? Was macht sie mit all den Zähnen?
  • Was könnte Lara mit der silbernen Münze alles machen?

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Agnes Taron

von Agnes Taron

Mutter von Leonardo & Lynn, Mitgründerin von kinderschatzkiste.de. Nach fünf Jahren Elternzeit mit täglichem Vorlese-Alltag weiß sie, was Kinder abends wirklich brauchen.