Tomma stand vor dem Spiegel und runzelte die Nase.
Über Nacht waren sie noch mehr geworden. Kleine braune Punkte, überall auf ihrer Nase und ihren Wangen. Sommersprossen. Die Sommersonne hatte sie hervorgekitzelt, immer mehr mit jedem warmen Tag.
„Die will ich nicht“, sagte Tomma und rieb mit dem Waschlappen über ihre Nase. Aber die Punkte gingen nicht weg. Natürlich nicht.
„Was machst du da, mein Spatz?“, fragte Papa, der in der Tür stand.
„Ich hab so komische Punkte im Gesicht“, sagte Tomma leise. „Keiner sonst in meiner Gruppe hat die. Ich will nicht ins Schwimmbad. Da gucken alle.“
Papa kam näher und hockte sich vor sie. „Darf ich dir was zeigen?“ Tomma nickte.
Papa zeigte auf seine eigene Nase. Und tatsächlich – Tomma hatte es noch nie richtig bemerkt. Auch Papa hatte Sommersprossen. Ganz viele kleine, über die Nase verstreut.
„Hast du die auch?“, staunte Tomma.
„Seit ich ein Kind war“, sagte Papa und lächelte. „Weißt du, was meine Oma früher zu mir gesagt hat? Sie hat gesagt: Jede Sommersprosse ist ein kleiner Kuss von der Sonne. Die Sonne hat dich besonders gern – deshalb gibt sie dir so viele.“
Tomma schaute wieder in den Spiegel. Kleine Küsse von der Sonne? Sie zählte. Eins, zwei, drei auf der Nasenspitze. Die drei bildeten ein winziges Dreieck. „Guck, Papa“, kicherte sie. „Die drei sind wie ein kleiner Stern.“
„Stimmt“, sagte Papa. „Du hast einen Sonnenstern auf der Nase.“
Das gefiel Tomma. Ein Sonnenstern. Das klang gar nicht mehr komisch.
Am Nachmittag gingen sie doch ins Schwimmbad. Tomma hielt erst noch die Hand vors Gesicht. Aber dann kam ein Mädchen auf sie zu, vielleicht ein bisschen älter, und plumpste neben ihr ins Wasser.
„Cool“, sagte das Mädchen und zeigte auf Tommas Nase. „Du hast Sommersprossen. Die wollte ich auch immer haben. Ich krieg aber nur einen roten Kopf.“ Sie lachte.
Tomma lachte auch. Und dann nahm sie die Hand vom Gesicht und ließ die Sonne darauf scheinen.
Sie planschten und tauchten und spritzten, bis die Sonne tief stand und ihre Finger ganz schrumpelig waren.
Auf dem Heimweg leckte Tomma ein Eis und spürte die warme Sonne im Gesicht. Sie stellte sich vor, wie die Sonne ihr beim Gehen noch ein paar Küsschen mehr auf die Nase tupfte.
Am Abend, im Bett, fuhr Papa ihr sanft mit dem Finger über die Nase, von Punkt zu Punkt. „Ein Kuss … noch ein Kuss … und da ist der kleine Sonnenstern“, sagte er leise.
Tomma kuschelte sich ins Kissen und musste lächeln. Morgen würde die Sonne wieder scheinen. Und vielleicht, dachte sie, kommt ja noch ein vierter Punkt zu meinem Stern dazu.
Mit diesem Gedanken schlief sie ein, die Nase voller Sonnenküsse.
Zum Weitererzählen
Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.
Hast du verstanden, was passiert ist?
- Was hat Tomma am Anfang vor dem Spiegel gemacht?
- Was hat Papa zu Tomma über die Sommersprossen gesagt?
- Wen hat Tomma im Schwimmbad getroffen?
Kennst du das aus deinem Leben?
- Gab es mal etwas an dir, das du nicht mochtest?
- Was sagt dir jemand Liebes, wenn du traurig bist?
- Hast du auch etwas Besonderes an dir entdeckt?
Was wäre, wenn …?
- Was könnte Tomma am nächsten Tag im Schwimmbad erleben?
- Welche anderen Geschichten könnte die Sonne erzählen?




