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Til taucht zum ersten Mal das Gesicht ins Wasser und macht Blubberblasen

GESCHICHTE

Til lernt schwimmen

Gute Nacht GeschichtenGute Nacht Geschichten für 4-6 Jahre
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„Heute ist der Tag“, sagte Mama beim Frühstück. „Heute machst du das erste Mal Blubberblasen.“

Til kaute langsam an seinem Brot mit Marmelade. Blubberblasen klang nach Spaß. Klang nach Fischen. Klang nach lustig. Aber Blubberblasen bedeutete: Gesicht ins Wasser. Und Wasser ins Gesicht bedeutete: Wasser in der Nase. Und Wasser in der Nase – das wusste Til ganz genau – das brannte wie tausend kleine Brennnesseln.

„Muss ich?“, fragte er.

„Du musst gar nichts“, sagte Mama. „Aber Frau Bücker zeigt dir einen Trick.“

„Frau Bücker hat Tricks?“

„Frau Bücker hat sehr gute Tricks.“

Im Schwimmbad roch es nach Chlor und nach Pommes von dem Kiosk neben dem Eingang. Tils große Schwester Bea war schon im Wasser. Sie schwamm mit dem Brett zur anderen Seite, als wäre das gar nichts. Til zog sich langsam die Badehose hoch. Sehr langsam.

„Til!“, rief Frau Bücker vom Beckenrand. Sie hatte einen roten Bademantel an und ein Pfeifchen um den Hals. „Komm her, mein Lieber. Heute machen wir was Neues.“

Til ging zum Beckenrand. Das Wasser war blau und hatte kleine Wellen, weil Bea darin herumstrampelte.

„Setz dich her“, sagte Frau Bücker und klopfte auf die Fliesen. „Ich verrate dir was.“

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Sie beugte sich zu ihm.

„Wasser kann nicht in die Nase, wenn etwas anderes herauskommt“, flüsterte sie. „Und weißt du, was am besten herauskommt?“

Til schüttelte den Kopf.

„Pups.“

Til lachte. Er lachte so laut, dass die Frau mit dem Hund auf dem T-Shirt vom Beckenrand aussah. Frau Bücker zwinkerte.

„Nicht echte Pups. Nase-Pups. So.“ Sie hielt sich nicht die Nase zu. Sie machte einfach „Pooooh“, ganz tief und lang, und Luft kam aus ihrer Nase. „Wenn du das machst, kann nichts rein. Probier mal.“

Til probierte. „Pooooh.“ Es kitzelte ein bisschen.

„Sehr gut. Und jetzt mit Wasser.“

Frau Bücker stieg ins Becken. Til auch, langsam. Das Wasser war kühl, aber nicht eiskalt. Es ging ihm bis zur Brust.

„Erst nur die Nase ins Wasser“, sagte Frau Bücker. „Beim Reingehen pustest du. Pooooh.“

Til holte tief Luft. Er beugte sich vor. Er pustete. „Pooooh.“ Seine Nase berührte das Wasser. Er hörte ein Blubbern, ganz nah am Ohr. Er fuhr hoch.

„Hat es gebrannt?“, fragte Frau Bücker.

Til überlegte. „Nein“, sagte er überrascht.

„Bingo. Dann jetzt das Kinn auch.“

Til probierte es nochmal. Diesmal Nase und Kinn. „Poooooh.“ Das Wasser blubberte um sein Gesicht. Es brannte nicht. Es kitzelte sogar.

„Und jetzt“, sagte Frau Bücker, „die Augen.“

Til zögerte. Augen unter Wasser. Das hatte er noch nie gemacht.

Bea strampelte heran. „Hat dir Frau Bücker den Trick gezeigt? Den hab ich auch gelernt!“

Til sah seine große Schwester an. Ihre Haare waren nass. Sie grinste.

Til biss die Zähne aufeinander. Dann öffnete er sie wieder, denn man kann nicht „Pooooh“ machen mit zusammengebissenen Zähnen. Er holte ganz tief Luft. Er beugte sich vor.

„Pooooooooh.“

Sein Gesicht ging unter. Alles wurde gedämpft. Das Bla-Bla der anderen Kinder klang wie Watte. Die Bahnenmarkierung am Beckenboden schimmerte blau. Es brannte nicht. Es war still.

Til kam wieder hoch und schnappte nach Luft. Er strich sich das Wasser aus den Augen.

„Hat es gebrannt?“, fragte Frau Bücker.

Til schüttelte den Kopf. Er konnte nicht reden. Er grinste so breit, dass es weh tat.

„Du, Til“, sagte Bea und zog ihn am Arm. „Wer am Ende der Stunde drei Mal getaucht ist, kriegt von Frau Bücker ein Stück Wassermelone.“

„Wassermelone?“

„Aus echt. Aus dem Kühlschrank vom Kiosk.“

Til überlegte nicht lange. Er holte Luft. Er machte „Pooooh“. Er tauchte wieder. Und wieder. Und beim dritten Mal blieb er sogar so lange unten, dass er eine Bahnenmarkierung von ganz nah sehen konnte – mit den kleinen Spalten dazwischen, in denen winzige Bläschen festsaßen.

Am Ende der Stunde saß Til auf der Bank und hielt eine kalte, rote, glitzernde Wassermelonenscheibe in der Hand. Er biss hinein. Saft lief ihm bis zum Ellenbogen.

„Mama“, sagte er, als sie ihn abholte. „Ich kann jetzt Pooooh machen. Im Wasser.“

Mama nickte ernst. „Das ist“, sagte sie, „eine sehr wichtige Fähigkeit.“

Til kicherte. Er hatte heute zwei neue Sachen gelernt: das Tauchen. Und dass Frau Bücker beim Erklären Sachen sagt, bei denen man lachen muss.

Zum Weitererzählen

Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.

Hast du verstanden, was passiert ist?
  • Wovor hatte Til am Anfang Angst?
  • Welchen Trick hat Frau Bücker ihm gezeigt?
  • Was hat Til am Ende als Belohnung bekommen?
Kennst du das aus deinem Leben?
  • Hast du schon mal etwas Neues gelernt, wovor du erst Angst hattest?
  • Kennst du auch jemanden, der dir einen guten Trick beigebracht hat?
  • Wie fühlt es sich für dich an, wenn du etwas zum ersten Mal schaffst?
Was wäre, wenn …?
  • Was könnte Til beim nächsten Schwimmkurs lernen?
  • Stell dir vor, du wärst Schwimmlehrer – welchen lustigen Trick würdest du zeigen?

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Agnes Taron

von Agnes Taron

Mutter von Leonardo & Lynn, Mitgründerin von kinderschatzkiste.de. Nach fünf Jahren Elternzeit mit täglichem Vorlese-Alltag weiß sie, was Kinder abends wirklich brauchen.