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Janne fragt im großen Kaufhaus eine Verkäuferin um Hilfe, weil sie ihre Mama verloren hat

GESCHICHTE

Janne im großen Kaufhaus

Gute Nacht GeschichtenGute Nacht Geschichten für 7-9 Jahre
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Das Kaufhaus war so groß wie ein ganzes Dorf. Vier Stockwerke, glänzende Rolltreppen und überall Menschen, die schwere Tüten durch die Gänge schleppten.

Janne hielt sich an Mamas Jacke fest. Heute suchten sie ein Geschenk für Papa, der übermorgen Geburtstag hatte. „Etwas Überraschendes“, hatte Mama gesagt.

In der Buchabteilung blieb Janne stehen. Da lag ein Buch über Vulkane, mit einem Berg auf dem Cover, der echtes rotes Feuer zu spucken schien. Janne beugte sich darüber. Nur eine Minute. Vielleicht zwei.

Als sie wieder aufschaute, war Mamas blaue Jacke verschwunden.

Janne drehte sich einmal im Kreis. Regale, fremde Gesichter, eine Rolltreppe, die leise surrte. Aber keine Mama. Ihr Herz fing an, schnell und hart zu schlagen.

„Mama?“ Ihre Stimme war viel zu leise. „Mama!“ Diesmal lauter. Ein Mann mit einem Einkaufskorb schaute sie kurz an und ging weiter.

Die Gänge sahen auf einmal alle gleich aus. Janne wollte losrennen, irgendwohin, einfach suchen. Ihre Beine zappelten schon.

Doch dann hielt sie inne. Bleib stehen, wo du bist, hörte sie Mamas Stimme im Kopf. Und wenn du mich gar nicht findest, dann geh zu jemandem, der hier arbeitet. Zu jemandem mit einem Schild am Hemd.

Janne holte einmal ganz tief Luft, so wie vor dem Tauchen. Renn nicht, dachte sie. Denk nach.

Sie schaute sich um, diesmal ganz langsam. An einem langen Tisch, nicht weit weg, stand eine Frau in einer roten Weste mit einem Schild. Sie räumte gerade Pullover zusammen.

Janne ging hin. Ihre Knie fühlten sich ein bisschen wackelig an, und einen fremden Menschen anzusprechen war gar nicht so leicht. Aber sie tat es.

„Entschuldigung“, sagte Janne. „Ich habe meine Mama verloren.“

Die Frau ließ die Pullover sofort liegen und ging in die Hocke, sodass sie Janne in die Augen schauen konnte. „Das kriegen wir hin“, sagte sie ruhig. Auf ihrem Schild stand Frau Özsoy. „Wie heißt du denn?“

„Janne.“

„Und wie heißt deine Mama?“

„Britta. Britta Falk.“

Frau Özsoy nahm ein kleines Funkgerät vom Gürtel und sprach hinein. Kurz darauf hallte eine freundliche Stimme durch das ganze Kaufhaus, aus Lautsprechern an der Decke: „Frau Britta Falk, bitte kommen Sie zur Information im Erdgeschoss. Ihre Tochter Janne wartet dort auf Sie.“

„Komm“, sagte Frau Özsoy und reichte Janne die Hand. „Wir gehen zusammen runter und warten. Du hast genau das Richtige gemacht, weißt du das? Viele rennen einfach los. Dann wird es viel schwerer.“

An der Information durfte Janne sich auf einen Hocker setzen. Frau Özsoy gab ihr sogar ein Glas Wasser. Janne nippte daran und hielt die Augen fest auf die Rolltreppe gerichtet.

Die Minuten fühlten sich lang an. Janne zählte die Stufen der Rolltreppe, um nicht wieder Angst zu bekommen.

Und dann — eine blaue Jacke, ganz oben auf der Rolltreppe. „Janne!“ Mama kam fast gerannt, nahm die letzten Stufen mit großen Schritten, und dann hatte sie Janne ganz fest im Arm.

„Ich hab mich nur kurz umgedreht“, sagte Mama atemlos. „Ich hab dich überall gesucht. Ist alles gut?“

„Ich bin einfach stehen geblieben“, sagte Janne in Mamas Jacke. „Und dann bin ich zu Frau Özsoy gegangen. So wie du es mir gesagt hast.“

Mama schaute sie an, und in ihren Augen glänzte etwas. „Das“, sagte sie leise, „war ganz schön mutig und ganz schön klug.“

Frau Özsoy lächelte und winkte ihnen zum Abschied. „Pass weiter so gut auf, Janne.“

Das Geschenk für Papa fanden sie übrigens doch noch — eine Tasse mit einem feuerspuckenden Vulkan darauf, fast wie auf Jannes Buch. Die hatte sich Janne ausgesucht.

Am Abend, im Bett, war das Kaufhaus nur noch eine Geschichte, die Janne schon dreimal erzählt hatte. „Stehen bleiben und zu jemandem mit Schild gehen“, murmelte sie zufrieden. Dann zog sie die Decke bis zum Kinn und schlief ein, die gut verpackte Vulkan-Tasse sicher im Schrank.

Zum Weitererzählen

Nach dem Vorlesen ein bisschen über die Geschichte sprechen — das vertieft die Erfahrung und macht Spaß.

Hast du verstanden, was passiert ist?
  • Was hat Janne im Kaufhaus gemacht, als Mama plötzlich weg war?
  • Woran hat Janne Frau Özsoy erkannt?
  • Welches Geschenk haben Janne und Mama am Ende für Papa gefunden?
Kennst du das aus deinem Leben?
  • Warst du auch schon mal kurz von deinen Eltern getrennt? Was hast du da gemacht?
  • Wie fühlt es sich für dich an, wenn du jemanden Fremdes um Hilfe bitten musst?
  • Was würdest du tun, wenn du deine Eltern in einem großen Geschäft nicht mehr siehst?
Was wäre, wenn …?
  • Was hätte Janne noch machen können, um Mama zu finden?
  • Stell dir vor, Janne wäre losgerannt. Was wäre dann wohl passiert?

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Agnes Taron

von Agnes Taron

Mutter von Leonardo & Lynn, Mitgründerin von kinderschatzkiste.de. Nach fünf Jahren Elternzeit mit täglichem Vorlese-Alltag weiß sie, was Kinder abends wirklich brauchen.